Meine Hörhilfe

Das man Hunden alles Mögliche (und Unmögliche) beibringen kann, ist allgemein bekannt. Hier habe ich mal beschrieben, wie ich meinen Slovensky Cuvac Duke zu meiner persönlichen Hörhilfe ausgebildet habe.


Mitte Oktober 2010 hatte ich wieder einen Hörsturz auf dem linken Ohr, mein dritter innerhalb etwas mehr als zwei Jahren. Seither bin ich auf diesem Ohr praktisch taub, und obwohl ich auf dem rechten Ohr noch sehr gut hören kann, bereitet mir der Alltag so einige Probleme. Da „cuvac“ übersetzt in etwa so viel heisst wie „hören“, bietet sich diese Aufgabe für Duke schon fast an.


Anzeigeverhalten

Besonders Mühe habe ich damit, ein Geräusch einer bestimmten Richtung zuzuordnen – alles kommt nun immer von rechts. In einer etwas lauteren Umgebung oder im Wald ist es besonders schwierig. Da mein Slovensky Cuvac jenachdem etwas mehr Distanz benötigt, war es mir bisher immer sehr wichtig, Dinge vor ihm zu sehen oder hören. Da dies jetzt teilweise nicht mehr möglich ist, bilde ich Duke zu meiner „Hörhilfe“ aus.

 

Dies habe ich mit einer simplen Gegenkonditionierung angefangen: sobald etwas/jemand (ein Reiz) auftaucht, habe ich ihm die Tube „LeParfait“ vor die Nase gehalten und ihn daran lecken lassen bis genau zu dem Zeitpunkt, als dieser Reiz wieder aus unserem Blickfeld verschwunden ist. Dadurch habe ich erreicht, dass Duke mit Aussicht auf „LeParfait“ von sich aus den Kontakt zu mir sucht, sobald sich etwas regt. Da ich die Gegenkonditionierung immer im „Sitz“ gemacht habe, setzt sich Duke so auch automatisch neben mich. Weiter habe ich das Kommando „Schau“ aufgebaut, nach welchem er in die Richtung des Reizes schaut, und mir so die Richtung angibt.

 

Ich hatte Ende November 2011 mit dem Training begonnen und bisher zeigt er mir schon recht zuverlässig an, wenn etwas kommt. Leider hatte ich jedoch die Sache etwas zu wenig durchdacht. So hatte Duke bei unserem ersten Stadtbesuch ständig das Gefühl gehabt, er hätte dann noch Anspruch auf die Tube „LeParfait“, bei so vielen Menschen, und Hunden, und Fahrrädern, und.... Dieser Stadtbesuch war nicht nur für Duke anstrengend! In diesem Fall soll ja für Duke das Auftauchen des Reizes (hier Menschen, Fahrradfahrer, Hunde, Wild,...) das Kommando sein, um das Verhalten (Kontakt zu mir aufzunehmen und sich hinzusetzen) auszulösen, worauf ich mit einer Belohnung reagiere. Wenn nun aber ein Verhalten keine Reaktion (Belohnung) aus der Umwelt erfährt, wird es im Hundehirn wieder gelöscht. Da für mich das zuverlässige Anzeigeverhalten aber sehr wichtig ist, will ich durch eine 100%ige Belohnung sicherstellen, dass Duke mir immer alles freudig anzeigt. So müsste also konsequenterweise auch in der Stadt jedes erwünschte Verhalten auf die vielen Reize hochwertig belohnt werden. Dazu kommt noch, dass bei nichterfüllen einer hohen Erwartungshaltung Frust entstehen kann, welcher Duke mit dem Kontext Stadt verknüpfen könnte. Auch nicht gerade das, was ich will. Ich denke, mit genügend Training wäre auch hier die Unterscheidung Stadt/Land hinzubekommen, aber ich mache es mir jetzt einfacher: Duke lernte zu „Bringseln“.

 

Das Bringsel ist ein kleiner Gegenstand aus Seil, welcher normalerweise in der Sanitätshundearbeit gebraucht wird. Dort wird der Hund vom Halter auf die Suche nach Menschen oder auch Gegenständen geschickt. Der Halter geht nicht mit dem Hund mit. Wenn der Hund eine Person gefunden hat, nimmt er das Bringsel, welches an seinem Halsband hängt, selbständig auf und rennt damit zurück zu seinem Halter damit dieser erkennen kann, dass sein Hund etwas gefunden hat. So kann der Halter mit seinem Hund mitgehen, welcher ihn zu der Person führt. Der Hund kann natürlich auch durch Bellen anzeigen, ist aber in meinem Fall nicht gerade das Mittel der Wahl.

 

In einem ersten Schritt habe ich Duke beigebracht, das Bringsel vom Halsband aufzunehmen. Dies haben wir innerhalb von 5 Minuten mit dem Clicker im freien Formen (shaping) gelernt. Er nimmt es auf und hält es mir ruhig hin, ohne darauf herum zu kauen. Das sind wir jetzt am üben, bis Duke das Bringsel absolut problemlos und immer freudig aufnehmen kann. Dann muss Duke nur noch lernen wenn er es am Halsband trägt, das Bringsel ohne Kommando von mir, sondern nur wenn ein Reiz auftaucht aufzunehmen und mir zu bringen. Das ist der schwierige Teil der Übung, bei dem möglichst auch keine Fehler geschehen dürfen. Ich werde ihm dann solange bei Auftauchen eines Reizes das Bringsel anbieten, bis er die Verknüpfung gemacht hat. Dies wird der Fall sein, wenn er das allererste Mal das Bringsel völlig selbständig aufnimmt, wenn etwas/jemand kommt. Wenn ich dann vom Timing und der Belohnung her richtig liege haben wir es geschafft!

 

Der Vorteil des „Bringselns“ gegenüber der anderen beschriebenen Methode ist, dass ich Duke so helfen kann eindeutig zwischen „Arbeit“ (ich muss jeden Reiz anzeigen) und „Freizeit“ (ich muss mich nicht um die Reize kümmern) zu unterscheiden. So wird Duke in der Stadt oder bei gemeinsamen Spaziergängen mit Freunden ganz sicher nie das Halsband mit Bringsel tragen.

 

Vierbeiniger Wecker

Ein weiteres Problem für mich ist, dass ich den Wecker manchmal nicht höre, jenachdem wie ich geschlafen habe. Auch hier bin ich daran, Duke beizubringen diese kleine Aufgabe für mich zu übernehmen: er soll mich aufwecken, wenn mein Wecker klingelt. Ganz einfach – hab ich zuerst auch gedacht. Die erste Übung war eine klassische Konditionierung auf den Weckton. Das sieht so aus: Wecker klingelt, Duke kriegt innerhalb von 0,5 Sekunden etwas Feines. Bei der klassischen Konditionierung werden nicht willentlich steuerbare Reflexe des Organismus auf einen vormals unbedeutenden Auslösereiz hin konditioniert. Der Auslösereiz wäre in meinem Beispiel der Weckton, die Reflexe wären speicheln und Freude – wenn also Duke den Weckton hört, speichelt und freut er sich auch die Belohnng, die ja bisher immer nach dem Weckton erfolgte. So weit, so gut. In Übungssituationen klappt es einwandfrei. Leider traut Duke sich bisher nicht, mich aktiv zu wecken wenn ich wirklich schlafe. Er setzt sich nur vor mich hin und „hypnotisiert mich wach“. Wir werden noch daran arbeiten.

 

Bellende Türglocke

Hier müssen wir gar nichts üben: Duke zeigt perfekt durch Bellen an, wenn es an der Türe klingelt! Dieses Anzeigeverhalten haben wir durch jahrelange Praxis auch bereits perfektioniert....

 

Führhilfe

In unwegsamem Gelände und bei schlechten Sichtverhältnissen wird mir schnell schwindlig, da mein Gleichgewichtsorgan im Innenohr nicht mehr richtig funktioniert. Auch da ist Duke mir eine Hilfe. Hier habe ich in einem ersten Schritt den Griff ins Geschirr gegenkonditioniert, da Duke dies am Anfang nicht gerade gerne hatte. Das heisst, ich habe Duke ins Geschirr gegriffen, ihm innerhalb von 0,5 Sekunden eine Belohnung gegeben und wieder losgelassen. Diese Übung habe ich solange gemacht, bis der Griff ins Geschirr für Duke Freude und eine Erwartungshaltung auf die Belohnung auslöste. Dann habe ich angefangen, den Griff länger am Geschirr zu halten und gemeinsam zu laufen. Schliesslich habe ich noch das entsprechende Kommando eingeführt. Auf das Kommando „stützen“ stellt Duke sich nun neben mich, ich greife in sein Geschirr und er führt mich durch diese für mich schwierige Passage.

 

Beschäftigung

Alleine der Aufbau der einzelnen Übungen braucht relativ viel Zeit und konsequentes Training. Es ist nicht nur so, dass Duke mir eine grosse Hilfe im Alltag ist. Mir zu helfen ist auch eine tolle Beschäftigung für Duke, die er freudig und mit grossem Elan ausführt.


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