Jace's erste BH-Prüfung

Was ist das eigentliche Ziel einer Sporthundeprüfung? Ach ja, genau. Eigentlich geht man an eine Prüfung, um zu zeigen was man kann, und um diese nach Möglichkeit zu bestehen. Eigentlich... Manchmal kommt es halt einfach anders, als man sich das vorgestellt hat. Oder so... Man könnte es auch unter Lebenserfahrung abbuchen.


Seit Welpenalter trainiere ich mit Jace, auch Hundesport. Und eigentlich macht er ganz viel super perfekt. Deshalb wagte ich mit Jace am Sonntag vor einer Woche an unserer ersten BH1-Prüfung zu starten. Ganz kurzfristig und kurzentschlossen... Und eigentlich kann er das alles. Er schon...

 

Fährte (Eigenfährte, 150 Schritt, 1 Gegenstand) ging ganz gut, jedenfalls für Jace. Beim Legen ging ich die vorgeschriebenen 100 Schritt geradeaus. Leider war das Feld etwas kurz, oder ich hab etwas lange Schritte genommen? Oder mich verzählt? Rechts geht wo rum schon wieder? Dann noch wieviele Schritte? Gegenstand legen! Man, war ich nervös! Mir war richtig schlecht... Hab dann Jace auch noch gebremst auf der Fährte, wo es gar nichts zu bremsen gegeben hätte... So "kennen wir mich" gar nicht! Trotzdem knapp bestanden mit 70 Punkten. Uff...

 

Dann kam die Unterordnung (Freiablage, Leinenführigkeit, Freifolge, Setzen/Legen, Apportieren). 5 Minuten Freiablage. Daraus wurden 10 Minuten Freispiel mit einem netten Toller. Zwei Hundeführerinnen war das etwas peinlich, danach war aber wenigstens meine Nervosität wie weggeblasen - Jace's Kondition und Konzentrationsfähigkeit leider ebenso. "Nutzen Sie die günstige Gelegenheit" war Jace's Motto in der UO, sobald das verräterische Klicken des Karabiners ertönte, war er dann mal weg... "Hund nicht in der Hand des Führers: Zero Points". Und das nur, weil Jace die Zuschauer begrüssen ging und das Apportierholz in den Schatten statt zu mir brachte. Pech - oder so. Kurze Pause... Einatmen - ausatmen - einatmen - ....

 

Dann noch die Führigkeit (Personengruppe, Abrufen unter Ablenkung, Hoch- und Weitsprung). Erneut ziemlich nervös aufgrund meiner Lernerfahrungen in der UO betreffend Lösen des Karabiners, war in der Führigkeit mein Hauptanliegen, es möglichst schnell hinter mich zu bringen - und Jace keine Möglichkeit zur Verselbstständigung zu bieten. Er nutzte trotzdem die eine oder andere Gelegenheit, sich genüsslich am Boden zu wälzen und eine Runde auf dem Platz zu drehen. Zu meinem Glück, immer zwischen den bewerteten Übungen. Schlussendlich habe ich Jace erfolgreich eingefangen und angeleint. Mein Kommentar "er ist halt noch jung" löste beim Publikum allgemeines Gelächter aus. Dem Richter gefiel Jace's offensichtliche Lebensfreude - immerhin 80 Punkte erreicht! Zusätzlich die Zuschauer unterhalten und für eine zeitliche Verzögerung der Veranstaltung gesorgt... Ziel erreicht.

 

Fazit: Jace hatte einen tollen Tag. Er genoss das wirklich wunderschöne Freispiel mit dem Toller und meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Er zeigte sich - bis auf die Tatsache, dass man eigentlich "Gehorsam" hätte sehen wollen - sehr offen, aufgeweckt und lebenslustig; schon fast ein bisschen vorwitzig könnte man es nennen. Auf meine Nervosität hätten wir allerdings beide gut verzichten können. Ich stand komplett neben mir, so wie dann natürlich auch Jace etwas neben sich stand. Wie eingangs erwähnt, können wir "Gehorsam" - ohne Publikum - super gut! Es wäre uns aber auch langweilig, wenn wir an nichts mehr zu arbeiten hätten. Nur ist es für mich glaubs ziemlich viel einfacher, wenn diese Arbeit nicht mich sondern den Hund betrifft... Ich freue mich jedenfalls schon auf unsere nächste Prüfung. Mal schauen, wie es mit uns weitergeht ;o)


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Kommentare: 1
  • #1

    Verena Gurini (Freitag, 24 Juli 2015 18:43)

    Der Bericht ist der Hammer! So voller Lebendigkeit und Echtheit! Beim Lesen habe ich mich köstlich amüsiert - nicht aus Schadenfreude! - sondern weil mir genau dasselbe passiert ist! - Mit meinem Königspudel Agapi an der BH1- Prüfung..... Mis Buebeli liebte es im Mittelpunkt zu stehen, um den ZuschauerInnen den Clown zu markieren... ;-) Nur eine kleine Episode. Beim Apportieren ging soweit alles gut. Im guten Tempo brachte er mir das "Apporteli" zurück. Doch auf halbem Wege fand er, dass das Leben doch viel schöner und lockerer wird, wenn man zwischendurch ein Spässchen macht! So warf er das "Apporteli" hoch in die Luft, warf sich auf den Boden und wälzte sich vor Glückseeligkeit!!! Süss nicht? - Heute sehe ich das so. Damals hat mich sein Getue masslos geärgert. Meine abartige Nervosität während der Prüfung übrigens auch. Mein Agapi hat mich viel gelehrt! So nehme ich heute das Leben spielerischer, freudiger und lockerer! Ein guter Lehrmeister! :-)
    Mit fröhlichen Grüssen
    Verena